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Verkehrsnetz am Limit
Kapitel 2, Jahresbericht 2025, ADAC Südbayern

Lösungen gesucht: Verkehrsnetz stößt an seine Grenzen

Mobilität ist das zentrale Bindeglied in unserem Alltag. Mobilität bedeutet Teilhabe. Sei es beim Pendeln zwischen Arbeitsstelle und Zuhause oder auf dem Weg in den Urlaub oder zu Freunden. Dementsprechend verwundert es nicht, dass ein Großteil der Menschen in Südbayern mit den verschiedensten Verkehrsmitteln unterwegs ist.

Eines ist aber sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße festzustellen: Das Verkehrsnetz stößt zunehmend an seine Grenzen. Marode Infrastruktur, zahlreiche Baustellen oder schlichtweg ein zu hohes Verkehrsaufkommen sorgen sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene für Probleme. Hinzu kommt die große Aufgabe, immer unterschiedlichere Fortbewegungsmittel miteinander zu vereinen. Als wichtiger Verbraucherschützer und Ansprechpartner für Mobilität versucht der ADAC Südbayern, zur Lösung der immer größer werdenden Herausforderungen beizutragen. Und dabei allen Interessen gerecht zu werden: vom Umweltschutz bis hin zu den Kosten für Endverbraucher.

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© Steffen Leiprecht/sl-pictures.de
INTERVIEW
ADAC Verkehrsexperte Alexander Kreipl

Marode Straßen, überlastete Bahnen, fehlende Strecken. Das deutsche Verkehrsnetz sieht sich zahlreichen Herausforderungen ausgesetzt. Wir haben mit Alexander Kreipl, verkehrs- und umweltpolitischem Sprecher des ADAC Südbayern, über die größten Probleme und mögliche Lösungen gesprochen.

Vielerorts stößt das Verkehrsnetz an seine Grenzen. Wo sehen Sie aktuell das größte Problem?

So pauschal lässt sich das nicht sagen. In den Ballungsräumen und auf den wichtigen Autobahnstrecken ist vor allem die schiere Menge an Verkehrsteilnehmern eine echte Herausforderung – während in abgelegeneren, ländlichen Regionen der schlecht ausgebaute ÖPNV zu großen Problemen führen kann. Zu dieser Ausgangslage kommt noch der allgemeine Zustand des Straßennetzes hinzu. Zum Beispiel müssen in den nächsten Jahren zahlreiche Brücken dringend saniert werden.

Welche Lösungen kann es für die Überlastungen geben?

Ein Lösungsansatz kann der gezielte Ausbau wichtiger Verkehrsmittel und zentraler Infrastrukturprojekte sein. Wenn die strukturellen Voraussetzungen geschaffen sind, lassen sich Überlastungen durch eine bessere Vernetzung verschiedener Mobilitätsformen leichter vermeiden. Wenn die multimodale Mobilität perfekt ineinandergreift, kann jedes Verkehrsmittel seine Stärken ausspielen und der Verkehrsraum gezielt entlastet werden.

Wie muss das Miteinander im Straßenverkehr zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmern künftig aussehen?

Die Hektik im Alltag und damit auch im Straßenverkehr nimmt stetig zu. Das führt auch dazu, dass viele Verkehrsteilnehmer gereizt, teilweise sogar aggressiv sind. Für ein echtes Miteinander brauchen wir genau das Gegenteil, nämlich Verständnis und gegenseitige Rücksichtnahme. Das würde auch für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen.

UMFRAGE
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  • Ich habe schon jetzt kein eigenes Auto
© Mobilitätsreferat München/Tobias Hase
INTERVIEW
Mobilitätsreferent der Landeshauptstadt München Georg Dunkel

Der Verkehrsraum wird zunehmend komplexer. Die Vielfalt an Fortbewegungsmitteln führt vor allem in Ballungsräumen zu Problemen – bietet aber auch Chancen. Wir sprechen mit Georg Dunkel, Mobilitätsreferent der Landeshauptstadt München.

München wächst seit vielen Jahren. Dementsprechend nimmt auch die Zahl der Verkehrsteilnehmer im Einzugsgebiet zu. Wie lässt sich das hohe Verkehrsaufkommen so steuern, dass es zu keinem Verkehrskollaps kommt?

Wir können die Straßen nicht breiter machen, als sie sind. Deshalb müssen wir den Platz, der uns zur Verfügung steht, besser nutzen. Die Fahrt mit dem privaten Auto ist für viele bequem. Leider ist das Auto aber auch das Verkehrsmittel, das den meisten Platz auf der Straße benötigt; gleichzeitig sitzen pro Fahrt durchschnittlich nur 1,4 Personen darin. In einer eng bebauten Stadt wie München sind wir deshalb bestrebt, Verkehrsmittel auszubauen, die weniger Platz benötigen und dabei mehr Menschen transportieren können: Bus, Bahn und Tram, den Radverkehr und die Shared-Mobility-Angebote. Gleichzeitig müssen alle Ziele, beispielsweise in der Innenstadt, weiter mit dem Kfz erreichbar sein, zum Beispiel für den Wirtschaftsverkehr oder mobilitätseingeschränkte Personen. Wir möchten Autos nicht aus der Stadt verbannen. Aber zum Beispiel in der historischen Altstadt, unserer guten Stube, können wir eine viel höhere Aufenthaltsqualität für die Besucher erreichen, wenn wir den Straßenraum neu verteilen, da die meisten Autos in den Parkgaragen parken und nicht endlos auf den Straßen kreisen, um einen Parkplatz zu suchen. Dieses Vorhaben gehen wir demnächst im Graggenauer Viertel an.

Seit einiger Zeit sind auch neuere Verkehrsmittel im Stadtbild unterwegs, zum Beispiel E-Scooter. Stellt die zunehmende Mikromobilität die Stadt vor besondere Herausforderungen?

In der Tat; seit der Bund die E-Tretroller 2019 genehmigt hat, sind für alle Städte und Gemeinden neue Herausforderungen entstanden. Dabei geht es vor allem um die Leihfahrzeuge, die besonders gerne von jungen Leuten genutzt werden. E-Tretroller haben Vorteile und Nachteile: Wir wissen aus einer Studie, dass die meisten Fahrten keine reinen Spaßfahrten sind, sondern für die Fahrt zur Arbeit, zur Ausbildung oder zu Freizeitaktivitäten genutzt werden. 14 Prozent aller Fahrten ersetzen eine Fahrt mit dem Auto. Besonders häufig werden die E-Tretroller in zentralen Stadtteilen oder an U- und S-Bahnhöfen abgestellt. Dort werden es dann manchmal einfach zu viele, oder sie werden unachtsam geparkt; dann stehen sie im Weg und behindern andere. Wir haben in München über 350 Abstellflächen für die E-Tretroller eingerichtet und stehen im engen Austausch mit den Anbieterfirmen, die sich freiwillig zu allerlei Maßnahmen verpflichtet haben, damit die Fahrzeuge nicht stören. Seither sind die Beschwerden zurückgegangen. Wichtig ist mir vor allem, dass sehbehinderte Personen sich nicht verletzen.

Mit steigendem Verkehrsaufkommen wächst auch die Gefahr von Unfällen. Wie lassen sich Verkehrsunfälle – gerade an Stellen, an denen verschiedene Verkehrsteilnehmer aufeinandertreffen – verhindern? Können hier bauliche Maßnahmen helfen?

Ja, durchaus. Zwei Drittel aller Getöteten und Schwerverletzten in München waren entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, sie hatten keine Knautschzone. Deshalb bauen wir die gefährlichsten Stellen, die unsere Fachleute ermitteln, systematisch um. Manchmal geht es zum Beispiel nur darum, die Sicht an einer Kreuzung zu verbessern, indem man verhindert, dass dort geparkt wird. Wir haben aber auch schon 40 sogenannte „freilaufende Rechtsabbieger“, also separate Kfz-Abbiegespuren, baulich verändert oder mit Ampeln ausgestattet, damit dort keine Unfälle mehr passieren. Aber es braucht nicht immer eine bauliche Veränderung: Bei Tempo 30 sind Unfallfolgen längst nicht so gravierend wie bei Tempo 50. In München haben wir bereits auf 72 Prozent der Straßenkilometer Tempo 30. Gerade an Zebrastreifen und vor Spielplätzen werden wir aber künftig noch mehr solcher Abschnitte umsetzen, damit vor allem Kinder sicherer im Straßenverkehr unterwegs sind. Und ich erinnere gerne an § 1 der Straßenverkehrsordnung: Im Verkehr ist ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht gefragt. Ich bin sicher: Wenn wir das alle beherzigen würden, würden deutlich weniger Unfälle geschehen.

VIDEO
Nadelöhr Brenner: Zwischen Transit, Tourismus und Anwohnerinteressen

Der Brenner ist die wichtigste Nord-Süd-Verbindung Europas. Über zwölf Millionen Pkw und knapp zweieinhalb Millionen Lkw überquerten ihn allein 2024 – Tendenz weiter steigend. Dies stellt eine große Herausforderung für die Infrastruktur dar und ist eine Belastung für Reisende, Spediteure und Anwohner. Eine Herausforderung, der man nur mit länderübergreifenden Lösungen begegnen kann. Beim ADAC Sommerempfang wurde das Thema mit Anton Mattle, dem Landeshauptmann von Tirol, diskutiert. Er skizzierte den rund 80 geladenen Gästen die Möglichkeiten und Chancen einer europaweiten Steuerung des Transitverkehrs.

Kurz & knapp
ADAC Stauberater
Stau-Engel helfen Urlaubern durch den Sommerreiseverkehr
Auch 2025 waren unsere Stauberater auf ihren Motorrädern und im Staustudio unterwegs. Insgesamt 1656 Stunden waren 17 Stau-Engel im Einsatz, um den Sommerreiseverkehr stressfreier zu machen sowie große Veranstaltungen wie die Motorradsternfahrt Kulmbach oder die Central European Rally zu begleiten. Sie zeigen alternative Routen auf, beantworten Mautfragen, helfen bei Pannen, liefern aktuelle Verkehrsmeldungen an Radiostationen und sorgen dafür, dass Groß und Klein trotz Stau gut versorgt bleiben. Bereits seit über 43 Jahren gilt: Wenn sich die südbayerischen Fernstraßen in sommerliche Blechlawinen verwandeln, sind unsere Stauberater immer zur Stelle.
ADAC Flugbeobachtung
Immer einen Schritt voraus: Unsere Stau-Schau aus der Luft
Staus frühzeitig erkennen und sofort live im Verkehrsservice von Antenne Bayern melden – das ist die Aufgabe unserer ADAC Flugbeobachter, die 2025 insgesamt 91,5 Flugstunden in der Luft waren. Neben den bayerischen Urlauberrouten überwachen sie auch die Tauern- und Inntalautobahn sowie die Grenzübergänge Walserberg und Kufstein/Kiefersfelden. Aus der Vogelperspektive entdecken sie Verzögerungen und Gefahren, bevor sie am Boden spürbar werden. Gleichzeitig stehen sie kontinuierlich mit unserem mobilen ADAC Staustudio und unseren Stauberatern in Verbindung, um Informationen abzugleichen und die Verkehrslage aus mehreren Perspektiven einzuschätzen.
ADAC Untersuchung Lkw-Parken
Fehlende Stellplätze an Autobahnen führen zu gefährlichen Situationen
Eine ADAC Untersuchung hat eine inzwischen prekäre Situation aufgezeigt: Bundesweit parken an jeder zweiten Rastanlage Lkw hochriskant, etwa in Ein- und Ausfahrten oder auf nicht zugelassenen Flächen. Mittelfristig kann hier nur politisches Handeln und der Ausbau der Stellplätze helfen, kurzfristig die Nachrüstung der bestehenden Anlagen mit intelligenter Technik. Bis es zu einer Verbesserung kommen kann, appelliert der ADAC an die gegenseitige Rücksicht von Pkw- und Lkw-Fahrern. Nur wer die Problemlage versteht, kann umsichtig handeln und beispielsweise Lkw-Stellflächen nicht mit dem Pkw zuparken oder den Lkw an einem möglichst sicheren Ort abstellen.
Brücken in Bayern
Folgen des Sanierungsstaus bei der Infrastruktur
Das deutsche Autobahnnetz ist in die Jahre gekommen. Rund 8000 Brücken bundesweit müssen saniert und modernisiert werden – ein teures Unterfangen. Doch der Schaden von Brückensperrungen wiegt noch schwerer. In einer Simulation demonstriert der ADAC die Folgen einer spontanen Brückensperrung. Fällt etwa bei Regensburg die Donaubrücke Sinzing auf der A3 aus, hat dies dramatische Auswirkungen auf den gesamten Wirtschaftsraum Regensburg. Zudem müssen Verkehrsteilnehmer weite Umwege fahren. Insgesamt beziffert der ADAC den volkswirtschaftlichen Schaden in diesem Fall auf 75 Millionen Euro jährlich. Daher fordern wir schnelle, gezielte und sinnvolle Investitionen in die Infrastruktur.
Großbaustelle Luegbrücke
Nadelöhr Brenner: Brückenbau verschärft Staupotenzial
Mit 2025 beginnt eine einschneidende Maßnahme im alpenquerenden Verkehr: der Neubau der maroden Luegbrücke auf der Brenner-Autobahn. Sechs Jahre soll der Neubau dauern. Davon betroffen sind auch Millionen bayerische Autofahrer, die wir als ADAC Südbayern gemeinsam mit der Betreiberfirma ASFINAG bestmöglich informiert haben. Eine erste Bilanz lässt aufatmen: Obwohl der Verkehr aus statischen Gründen eigentlich nur noch auf einer Spur pro Richtung rollen kann, ist es der ASFINAG gelungen, durch das Verschwenken des Schwerlastverkehrs zeitweise Zweispurigkeit zu ermöglichen. So werden das Bauwerk und die Nerven von Güterverkehr und Reisenden geschont.
Durchfahrtsverbote entlang der A8
Umstrittene Maßnahme im Kampf gegen Staus
Die A8 reiht sich regelmäßig auf den Spitzenplätzen der Staustatistik ein. Nicht selten ergießt sich in der Folge eine Lawine von Ausweichverkehr über die anliegenden Ortschaften. Der Landkreis Rosenheim versucht dem seit Sommer 2025 Einhalt zu gebieten. Von Freitag bis Sonntag sowie an Feiertagen gelten bei Staus auf der Autobahn Durchfahrtsverbote durch einzelne Gemeinden. Bereits wenige Monate später zogen weitere Regionen nach. Als ADAC Südbayern begleiten wir diese Maßnahmen kritisch und informieren die Reisenden. Denn auch wenn das Ziel, die Anwohner zu entlasten, nachvollziehbar ist, werden die eigentlichen Probleme im alpenquerenden Verkehr damit nicht gelöst.
 
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